Über Gene
Alle Beiträge sind meine recherchierte Meinung ohne wissenschaftlichen Anspruch.
Heike Grigat

 

Da auch die Tier-Genetik heute einen großen Stellenwert bei der Aufklärung von Ursachen und Behandlung von Krankheiten hat, werden zunehmend Gen-Tests auch für den Bolonka Zwetna durchgeführt. Die Ergebnisse solcher Gentests finden Sie zunehmend auf Bolonka Zwetna Züchterseiten.
Warum sie sinnvoll sind und was sie bedeuten, erfahren Sie hier.
Das komplexe Fachgebiet der Genetik in einfachen Worten zu erklären erscheint mir unmöglich.

Darum nur vereinzelte Begriffe zum
Verständnis der anschließenden Ausführungen.

Ich habe große Achtung von der Menschenkenntnis meines Hundes.
Er ist schneller und gründlicher als ich.
(Otto von Bismarck)

 

Gen
Träger einer Erbinformation
Allel
Die verschiedenen Zustandsformen eines Gens. Ein Gen kann (durch Mutation) in unterschiedlichen Varianten auftreten.
Genotyp
Kombination von Erbanlagen eines Organismus, die ein Merkmal bestimmen
Locus
Genort auf einem Chromosom; die Position, an der sich ein Gen befindet
Chromosom

lange, fadenförmige Gebilde im Zellkern, die aus DNA, also dem Erbmaterial, sowie aus Proteinen bestehen

rezessiv
zurücktretend oder "nicht in Erscheinung tretend"
dominant
beherrschend

 

 

Für einige Hunderassen gibt es bereits spezifische Gentests, die es ermöglichen, gesunde Hunde von Hunden, die Träger eines spezifischen mutierten Gens sind, zu unterscheiden.
Jedes Chromosom und somit auch Gen (Allel) ist doppelt vorhanden (je ein Chromosomensatz vom Vater und von der Mutter). Die Ausprägung eines Gens kann jedoch unterschiedlich sein.

 
     
  Es wird in 3 Kategorien unterschieden:  

 

 

 

 

 

 

 

Normal
(homozygot normal)
Beide Ausprägungen eines Gens (beide Allele) sind normal.
Der Hund ist "normal" (gesund).
Träger
(heterozygot)
Ein Allel ist normal und das andere mutiert. Der Hund gilt als "Träger" des mutierten Gens, wird aber selber nicht erkranken, wenn es sich um eine rezessiv erbliche Krankheit handelt.
Betroffen
(homozygot betroffen)
Beide Ausprägungen eines Gens (beide Allele) sind mutiert.
Der Hund ist "betroffen" und erkrankt im Laufe seines Lebens an der spezifischen Erbkrankheit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dominanter Erbgang:
Bei dominant erblichen Krankheiten ist bereits die Mutation eines Allels ausreichend für das Auftreten der spezifischen Erbkrankheit.
Da viele Erbkrankheiten erst im Laufe des Lebens klinisch erkennbar werden, kann eine Gen-Mutation vor dem Zuchteinsatz nur mittels Gentest festgestellt werden.

Autosomal-rezessiver Erbgang:
Bei rezessiv erblichen Krankheiten müssen beide Ausprägungen des Gens (Allele) mutiert sein, damit es zum Auftreten der Erbkrankheit kommt.
Da weder "normale" Hunde noch "Träger" klinisch erkranken, können solche Hunde nur mittels Gentest unterschieden werden.

 

Gentests erlauben den Nachweis für nur jeweils eine Mutation eines spezifischen Gens.
Kann eine Erbkrankheit jedoch von mehreren verschiedenen Mutationen oder von mehreren verschiedenen Genen verursacht werden, so kann der Hund zwar "normal" sein in Bezug auf die getestete Mutation des getesteten Gens, aber dennoch erkranken, falls er ein anderes mutiertes Gen (homozygot) trägt, das ebenso das gleiche Krankheitsbild auslösen kann.
Leider ist es unbekannt, wie viele Mutationen in jeder Hunderasse existieren. Außerdem können neue Spontanmutationen zu neuen Erbkrankheiten führen.

Auch gibt es viele Erkrankungen, für die es keine Gentests gibt, oder die nicht erblich sind.
 
Beim Bolonka Zwetna mögliche Gentests:

 

Furnishing
Dilution

Fachbegriff aus dem Englischen für eine Eigenschaft des Hundefells. Er bezieht sich auf die phänotypische Ausprägung von Bart und Augenbrauen als Hauptmerkmal des Fells eines Hundes.
Weitere Merkmale sind verlängertes Fell am gesamten Körper, längeres Fell an den Beinen, am gesamten Kopf und an der Brust und kein saisonaler Fellwechsel/ geringer Haarausfall.

Testergebnisse können sein:
Genotyp F/F: Der Hund ist homozygot (reinerbig) für das Furnishing und wird keine Welpen ohne Furnishing hervorbringen.
Genotyp F/f: Der Hund ist heterozygot (mischerbig) für Furnishing und somit verdeckter Träger des Wildtypallels (f)
Genotyp f/f: Der Hund trägt keine Furnishingmutation (Normalhaar), wird also Welpen ohne die typischen Merkmale des Furnishing hervorbringen.

 

Die Furnishingmutation unterliegt einem dominanten Erbgang und ist beim Bolonka Zwetna erwünscht.

Englischer Begriff, der für Farbverdünnung bezüglich der Fellfarbe steht.
Eine Farbverdünnung führt bei der Grundfarbe schwarz zur Farbe Blau, der Grundfarbe braun zu Lilac. Diese Farbschläge gelten in der Rassehundezucht als riskant, da sie verantwortlich für Hautentzündungen und Haarausfall sein können.

Testergebnisse können sein:
Genotyp D/D: Der Hund ist Anlagefrei für das Farbverdünnungsallel und wird nur das Wildtypallel (D) an seine Welpen weitergeben.
Genotyp D/d: Der Hund ist heterozygot (mischerbig) für Dilution und somit Anlageträger für die Farbverdünnung.
Genotyp d/d: Der Hund ist homozygot (reinerbig) für das Verdünnungsallel und wird Welpen mit Farbverdünnung hervorbringen.


Die Farbverdünnung unterliegt einem rezessiven Erbgang.

 

 


 
Fellfarbe Merle
Progressive Retina Atrophie (prcd-PRA)
Das für die Merle-Färbung verantwortliche Gen bewirkt eine Farbverdünnung der normalerweise vorhandenen Farbe. Aber anders als bei anderen Farbverdünnungsgenen ist der Effekt nicht auf das gesamte Fell verteilt, sondern findet sich nur in Flecken, die über den ganzen Körper verteilt sein können. Merle hat auch einen Einfluss auf die Augenfarbe. Merle-gefärbte Tiere können einfarbig braune, einfarbig blaue oder gemischtfarbige Augen (ein blaues und ein braunes Auge oder beide Farben in einem Auge) haben.
Merle wird durch eine Genveränderung im Silver-Gen verursacht. Tiere, die das mutierte SILV-Gen reinerbig tragen (MM, double Merle), sind hauptsächlich weiß gefärbt und können schwere Fehlbildungen des Innenohres aufweisen, die zur Schwerhörigkeit oder Taubheit führen. Zusätzlich können Fehlbildungen des Auges auftreten, sowie Anomalien des Reproduktionstraktes, des Skeletts und Herzens. Um diese Defekte zu verhindern, sind Merle x Merle Kreuzungen zu vermeiden.

Testergebnisse können sein:
Genotyp M/M: Der Hund ist homozygot (reinerbig) für das defekte SILV-Gen und wird die Fellfarbe Merle an seine Nachkommen vererben. Der Hund selbst hat die Fellfarbe Double-Merle
Genotyp M/m oder N/M: Der Hund ist heterozygot (mischerbig), somit Anlageträger des defekten SILV-Gen und wird mit einer 50%igen Wahrscheinlichkeit an die Nachkommen vererbt. Der Hund selbst hat die Fellfarbe: Merle
Genotyp m/m oder N/N: Der Hund ist homozygot (reinerbig) für das Wildtypallel (m). Die Anlage für die Fellfarbe Merle liegt nicht vor. Der Hund selbst hat die Fellfarbe: Non-Merle

Die PRA ist bei allen betroffenen Hunderassen eine fortschreitend verlaufende Erkrankung der Netzhaut, die schlussendlich zur Erblindung führt.

Testergebnisse können sein:
Genotyp N/N: Der Hund ist homozygot für das normale Gen und es besteht kein Erkrankungsrisiko für seine Nachkommen, unabhängig vom Verpaarungspartner.
Genotyp N/PRA: Der Hund ist heterozygot (mischerbig) und somit Anlageträger für die PRA.
Genotyp PRA/ PRA: Der Hund ist homozygot betroffen für das Verdünnungsallel, erkrankt im Laufe seines Lebens an PRA und gibt sie auch an seine Welpen weiter.

 

 

 

Die meisten PRA-Formen werden
autosomal rezessiv vererbt.

 

 

DLA- Haplotypenbestimmung

DLA-Haplotypen sind Bestandteile des Immunsystems und übernehmen wichtige Funktionen in der Immunabwehr.
DLA-Gene stehen im Zusammenhang mit zahlreichen Autoimmunerkrankungen beim Hund. Bei diesen Erkrankungen richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper, was fälschlicherweise zu einer Zerstörung eigener Körperstrukturen führt. Beispiele sind: Arthritis, chronische Hepatitis, Diabetes, Rheumatismus, aber auch Erkrankungen wie eine Unterfunktion der Schilddrüse und Krebs.

Zur Vermeidung regelmäßig auftretender genannter Krankheiten, ist es notwenig, sich innerhalb der Rasse eine möglichst große Vielfalt an DLA-Genen zu erhalten. Für einen gesunden Rasseerhalt wäre es also sinnvoll, dies gezielt bei Verpaarungen zu berücksichtigen.

Derzeit läuft in Österreich zu diesem Zweck eine Studie für Kleinrassen. Da wir uns der Rasse Bolonka Zwetna verschrieben haben, war es für uns auch selbstverständlich daran teilzunehmen.

Nähere Informationen zu diesem Thema und der Studie erhalten Sie hier: FERAGEN.at


 

 

 


Sehr detaillierte Informationen finden Sie auf den Seiten der Genetik-Expertin Andrea Becker.
Sie züchtet auch Bolonka Zwetna und berät uns in Fragen der Farbbezeichnung unserer Welpen.

Bolonka Fell und Farben
Hundegenetik

oder von Frau Dr. Viola Hebeler
Grundlagen angewandter Genetik für die Hundezucht

 

 

 
 

Informationen zum Merlebolonka erhalten Sie hier

 

 

 

DNA-Profil
Das DNA-Profil eines Tieres wird auch als genetischer Fingerabdruck bezeichnet und ermöglicht einerseits eine zweifelsfreie Identifikation, zum anderen kann durch den Vergleich mit DNA-Profilen anderer Familienmitglieder die Abstammung sicher nachgewiesen werden.
Liegen also DNA-Profile der Zuchthunde vor, hat der Welpenkäufer auch schon vor dem Erwerb seines Welpen die Möglichkeit, sich die biologische Elternschaft nachweisen zu lassen.